ankömmlinge

Kosmopolit – Wie aus einem Container eine Heimat wurde

„Man hält die Heimat für den relativ permanenten, die Wohnung für den auswechselbaren, übersiedelbaren Standort. Das Gegenteil ist richtig: Man kann die Heimat auswechseln oder keine haben, aber man muss immer, gleichgültig wo, wohnen. Der Mensch kann überall wohnen: unter den Pariser Brücken, in Zigeunerkarawanen, in den Hütten der Pakistaner Favelas und sogar in Auschwitz. Er ist wie die Ratte – kosmopolitisch…“ *

*Vilem Flusser: Heimat und Heimatlosigkeit


Zu Hause war ca. 3000 km entfernt, gesetzt den Fall, man steht an dem ehemaligen Container Standort im Osten von Garath und schaut noch weiter gen Osten. Insofern hat auch Garath seine kosmopolitischen Hintergründe, die mir in einer halb abendlichen Begegnung bildlich erklärte wurden.

Wie es bei so vielen GarathernInnen der Fall war, benötigte es nicht viel aus Einzelteilen von Garath Heimat zu buchstabieren und dort anzukommen, wo sie hingeschickt wurden. Sie waren russische Einwanderer/Auswanderer. Ein eben solcher stand vor mir und erklärte mir mit Stift und Blatt wie aus einem Container ein Zuhause wurde, an dem man letztendlich sesshaft wurde.

Garath war Mitte der Neunziger Anlaufpunkt für ein temporär gedachtes Unterfangen Flüchtlingen Zufucht zu gewähren. Temporär stellten Container das, was ihnen Zuhause nicht mehr gewährt war: Sicherheit. Eine Sicherheit die Zuhause (das ehemalige) nie wieder hergestellt wurde. Also zog die verlorene Sicherheit mit dem Koffer der Habseeligkeiten mit nach Garath und wurde dort zwischen den Wänden der Container wieder ausgepackt. Die vier metallenen Seitenwände der Container, in denen die Flüchtlinge aufgenommen wurden, erweiterten sich also über den Zeitraum hinweg, in dem seine Bewohnner in Garath blieben. Die Wände wurden zu Zäunen mit ein bisschen Gras dazwischen; es kamen Stühle hinzu zum in der Sonne sitzen, Sonnenschirme und die Dekoration der kleinen Treppe, die zur Containertür hoch führten. Garath wurde zur Heimat. Garath wurde kosmopolit.

Im Rahmen von “Ankömmlinge” gemeinsam mit Mühlenkampf
Vivarte Stiftung Düsseldorf