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Pipistrella

“Angesichts all der Unordnung ein geordneter Rückzug”
U-Bahnhof Rudolplatz Zwischenebene Kiosk, Köln
8. Nov. – 5 Dez.

mehrkanaliges sonotopologisches Kommentarverfahren

In der Mitte der bescheidenen, sorgfältig und klar strukturierten Kachelarchitektur der Zwischenebene U-Bahnhof Rudolfplatz ist ein liebevoll sortierter Kiosk. An und zwischen ihn nisten sich die auditiven Echolot Spuren der gemeinen “pipistrellus pipistrellus” und deren Verwandten.
Mit dem Bemühen sich gemeinsam auf eine Richtung des Verlassens dieses riesigen Ortes zu einigen gesellt sich dieser akustische Schwarm Kommentar zu dem alltäglichen Geräuschen des Transitraums. Sie nutzen den Ort als fiktive Zufluchtstätte im Falle des nie eingetretenen Ernstfalls für den der 3200m große Transitraum ebenfalls konzipiert ist.

Mitten in der Stadt liegt der Transitraum U-Bahnhof Rudolfplatz, der mir aufgrund meiner fast drei jährigen Nachbarschaft zu dem Verkehrsknoten vertraut geworden ist als kurzer Verweilmoment zwischen Ankommen und Abfahren. Die Zwischenebene von U-Bahnhöfen wird normalerweise für eng gedrängelte Geschäfte genutzt, der U-Bahnhof Rudolfplatz besticht durch seine horizontale Großzügigkeit und seine weitläufige Freifläche, die von einem großzügigen Bodenornament rythmisiert und von einem liebevoll sortierten Kiosk als Angelpunkt unterbrochen wird. Vieles trifft hier aufeinander: klare Kachel-Architekturhistorie, charmante Kölner Kioskkultur und weitläufig ungenutzter Raum.

Raumökonomisch bietet die Zwischenebene stadtmittig Großzügigkeit, die beim Hindurcheilen kaum zum Tragen kommt. Nur das Bodenornament verweist auf Als ich über den Zwischenraum recherchierte traf ich unmittelbar auf eine Nutzungsvorsehung, die dem alltäglichen Verkehr verborgen bleibt, ebenso wie das großzügige Kachelornament. Der 3200m” große Raum wurde in den 80er Jahren erweitert im Ernstfall Schutz zu bieten als besonders ausgestatteter Atomschutzbunker. 1987 bei der Fertigstellung der Ausstattung war eine Nutzung bereits fast hinfällig. Diese Zweitnutzung kam nie zum Tragen und war umstritten. Jedoch verwies und verstärkte dieser historische Moment des Ortes meine archäologische Entdecker Neugierde. Unmittelbar drängte sich mir die Diskrepanz zwischen den genannten mehreren tausend Quadratmetern und dem Eindruck, den meine Erinnerung von der Zwischenebene hinterließ, auf. “Dort muss es riesige Hohlräume geben”.

Meine beim Lesen der Quadratmeterzahl initiierte Assoziation passte gar nicht in den vorhandenen Raum. Wie so vieles dort. Die unmittelbare Entdeckerfreude und Vorstellung eines riesigen räumlichen Geheimnisses deckte sich nur langsam mit der gekachelten Realität. Meine Neugierde gilt weniger der Zweitnutzungsbestimmung des Ortes, sondern der Möglichkeit und der Geschichtlichkeit des Raumes. Wie entdeckt man einen Teil Geschichte, der verborgen ist? Wie läd man zum Verweilen und Nachdenken über Orte ein?