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Vier Fundstücke habe ich aus Beirut zurück gebracht. Ein 120 cm langes, sonnenverbranntes Kassettentape, das um einen Ast gewickelt war.

Ein Radio, das jahrelang an der Tür eines Balkons hing. Ein ungeöffnetes Ampex Soundtape der Baalbeck Studios, das Ende der 70er Jahre bestellt wurde. Und ein Element, das an den Straßenrändern im Zentrum von Beirut steht. Es sichert den Abstand zwischen den Außenmauern der Bankhäuser und Ministerien und der Straße.

Die ersten drei Objekte werde ich zurück nach Beirut bringen, sie gehören mir nicht. Das letzte, dessen Bezeichnung ich nicht kenne, werde ich hier in Köln lassen. Es stammt, anders als die anderen, aus der Gegenwart Beiruts. (T.S.)

Therese Schuleits Fundstücke zeichnen ihre Recherche entlang architektonischer Leerstellen der libanesischen Gegenwart und obsolet gewordener Aufnahme- und Archivmaterialien nach.

Die Leerstellen, die durch fehlende Informationen auf dem Archivmaterial, Übersetzungsfehler und Kommunikationsprobleme entstehen, werfen Fragen nach der ursprünglich vorgesehenen Erzählung auf. Es sind Fundstücke eines Krieges, deren Inhalte verborgen bleiben oder deren geplante Aufzeichnungen durch den Krieg verhindert worden sind. Es sind Erzählungen eines Krieges, der immer noch nachhallt.

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Vernissage 07. April 2016, 18 Uhr
NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln

Begrüßung:
Dr. Werner Jung, NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
Stanislaw Strasburger, Schriftsteller und Kulturmanager

Im Anschluss Intervention/ Spaziergang “There are no stray dogs in Lebanon” zum Matjö – Raum für
Kunst von Therese Schuleit